Leben mit dem Tod

Ich behaupte, daß ein großer Teil unserer Urängste im Leben direkt oder indirekt mit dem Thema Tod verbunden sind. Sterben wird nicht als ein natürlicher, normaler Prozess des Vergehens (im gegenseitigen Wechsel von Werden und Vergehen) verstanden, der Teil des unendlichen Lebens ist. Die moderne Gesellschaft hat aufgrund mangelnder Erklärungen über Sinn und Bedeutung von Leben und Sterben den Tod als unerwünschtes, ja sogar furchterregendes und endgültiges Desaster eingestuft und bemüht sich geflissentlich, jeden Gedanken an den Tod aus dem Tagesbewusstsein zu verdrängen. Obwohl beim täglichen Krimi im Fernsehen Mord und Totschlag als „Entspannung“ konsumiert wird, bricht bei der Aussicht auf das eigene „Ende“ oder beim Versterben geliebter verwandter oder befreundeter Menschen die Welt zusammen. Warum ist das so?

In unserer westlichen Kultur wurde der Glauben an ein Leben nach dem Tod so entstellt und damit „unglaubwürdig“, daß die Lehren der christlichen Tradition zu diesem wichtigen Thema leider nur sehr bedingt hilfreich sind. Auch das Dogma, daß wir nur einmal leben, fördert das bewußte Sein im körperlichen Aufenthalt auf dem Planeten Erde nicht unbedingt. Vielmehr ist die uralte Weisheit von Tod und Wiedergeburt, also dem wiederholten Leben im Körper zwecks Durchlaufen verschiedenster Erfahrungen, wesentlich dienlicher, um sein Denken und Handeln ständig aufs Neue zu überprüfen.
Wie wir aus vielfältigen medialen Durchgaben und Berichten geistiger Wesen (vormals Verstorbener und Engelwesen)* wissen, ist die hiesige materielle Welt eine Art Spiegel der feinstofflichen Welt. Und nach dem Ablegen der sterblichen Hülle unseres Körpers gehen wir genau auf die Ebene im Jenseits, die unserem Leben und Bewusstsein entspricht, welches wir hier geprägt und entwickelt haben.

Wenn Jesus sagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“ (Joh14,2) meint er genau das, nämlich daß es im Jenseits unterschiedlichste Seinsebenen gibt, wo unser feinstoffliches, seelisches Selbst weiter lebt – teils um sich auszuruhen, teils um neue Aufgaben zu übernehmen oder auch, um Altlasten abzuarbeiten, damit Weiterentwicklung geschehen kann. Alles dient einander und dient damit Gott, dem höchsten Ziel allen Lebens.

Wenn wir uns bewusst darum bemühen, das Leben in allem als einen Fluss der göttlichen Gnade zu erkennen, verstehen wir, daß wir in unserem Wesenskern ein Teil des Göttlichen sind und deshalb nicht sterben können. Wir begreifen, daß wir uns als geistiges Wesen durch das ständige Aufblühen (Geburt) und Verblühen (Tod) in einem biologischen Körper ausdrücken und stets aufs Neue eine Möglichkeit schaffen, alle Erfahrungen zu machen, die das Leben zu bieten hat. Somit hat der Tod eine bedeutende Aufgabe: er ist wie eine Bühnentür, durch die der Schauspieler die Bühne verläßt, sich eine Weile in der Garderobe (für alle Zuschauer unsichtbar) aufhält, um dann mit einem neuen Gewand (in einem neuen Körper) die Bühne durch eine andere Tür (Geburt) erneut zu betreten. Das Wissen um das Leben im Jenseits beseitigt unsere Ängste vor dem Thema Tod und läßt uns intensiver und aufmerksamer leben. Der Tod als solcher ist eine Tatsache und hat nichts Schlimmes an sich, lediglich wie wir über den Tod denken und ihn wahrnehmen erzeugt uns Kummer und Leid.

Der Psychologe Thorwald Dethlefsen schrieb in seinem Buch „Das Erlebnis der Wiedergeburt“ dazu folgende bemerkenswerte Gedanken:

„Unsere Zeit und Kultur haben einen Fanatismus entwickelt, Menschen am Leben zu erhalten und am Sterben zu hindern. Wo liegt die tiefere Ursache für diese widernatürliche und widersinnige Einstellung? Diese Entwicklung ist bereits so weit, daß der einzelne Mensch kaum noch die Möglichkeit hat, sich vor aufwendigen Wiederbelebungsexperimenten zu schützen. Moderne Intensivstationen stehen unter einem Prestigedruck, etwas zu leisten. Der Sterbende wird das Opfer medizinischen Erfolgsdenkens. So wird die Tatsache, etwas zu können, zur Begründung des Tuns. Handeln wird nicht mehr von der Notwendigkeit abgeleitet, sondern vom funktionalen Fortschrittsdenken. Die Medizin ist nicht mehr für den Menschen da, sondern der Mensch für die Medizin … Durch das materialistische Weltbild wurde dem Menschen immer mehr ein natürliches Verständnis des Todes als rhythmischer Wechsel in eine andere Daseinsebene entzogen und durch die Behauptung: „Mit dem Tod ist alles aus!“ ersetzt. Dadurch wird ein krampfhaftes Festklammern am Leben und eine panische Angst vor dem Nichts bewirkt. Diese meistens nicht eingestandene Todesangst projiziert jeder auf den anderen. Jeder Todesfall, jede Todesbedrohung wird zur Projektionsfläche der eigenen Angst. Der Tod eines anderen erinnert an den eigenen, gefürchteten Tod, vergegenwärtigt immer wieder die eigene Bedrohung. Denn der Mensch, der sich nicht mit dem Tod auseinandergesetzt hat, verdrängt ihn gewöhnlich und lebt in dem Gefühl, immer zu leben. Ein Todesfall reißt ihn jedoch aus dieser Illusion. Angst steigt auf. Indem man versucht, den anderen vor dem Tod zu retten, will man der eigenen Angst vor dem Tod die Bedrohlichkeit nehmen. Man will im Hinblick auf sich selbst erfahren, daß man etwas gegen den Tod tun kann – daß man ihm nicht ausgeliefert ist. Der Versuch, Leben um jeden Preis zu erhalten, ist in Wirklichkeit der Versuch, die eigene Illusion vor dem Einsturz zu bewahren. So wurde Lebensrettung zum Leistungssport; man spricht nicht zufällig vom „Wettlauf mit dem Tod“.
Mit dem Reinkarnationsgedanken läßt sich ein solches Handeln nicht vereinbaren. Betrachten wir uns die Kulturen, in denen der Gedanke der  Wiedergeburt fest verankert ist, so sehen wir eine ganz andere Haltung dem Tod gegenüber. Europäer können nie begreifen, wie man in Indien Menschen sterben läßt. Für den Hinduisten wie für den Buddhisten ist jedoch Geburt und Tod nichts Besonderes. Man weiß um den Kreislauf des Lebens, man fühlt sich noch eingebettet in eine höhere Gesetzmäßigkeit, ohne zu versuchen, durch eigene Emsigkeit die Natur in die Richtung zu zwingen, die der Mensch für die beste hält. Diese innere Ruhe ermöglicht es, im Augenblick des Todes das zu tun, was das einzig Notwendige ist: dem Sterbenden beim Sterben zu helfen. Schließlich hilft man ja auch bei der Geburt und versucht nicht, das Kind wieder in den Mutterleib zurück zu schieben. Warum macht man es beim Sterbenden umgekehrt? Auch hier ist es angebracht, dem Sterbenden die materielle Loslösung zu erleichtern und die Geburt im Jenseits zu ermöglichen.“ (Zitat Thorwald Dethlefsen Ende)

In meiner Praxis begleite ich Menschen, die sich mit tödlichen Krankheiten im Körper auseinander setzen müssen. Hierbei ist nicht die vielleicht unwahrscheinliche Umkehr eines Weges gemeint, die das Wunder der eventuellen Heilung einer medizinisch aussichtslosen Erkrankung ermöglichen sollte, sondern eine Begleitung des Erkrankten auf seinem individuellen seelischen Heilsweg. Gerade auf dem für den Betroffenen sowie seine Angehörigen schwierigen Weg durch eine möglicherweise tödliche Erkrankung sind Gespräche und wiederholtes oder sogar regelmäßiges Heilströmen ein sehr subtiles und feinstofflich wirksames Mittel der Hilfe. Durch die Erfahrung der einströmenden göttlichen Gnade kann es zum Erkennen tief im Unterbewusstsein verborgener Fragen und Probleme kommen. Dinge, die seit Jahren unter den Teppich gekehrt wurden, können nun endlich angesehen und verarbeitet werden. Das dient wiederum dazu, ganz von selbst zurück in eine Art natürlicher und ursprünglicher Schwingung zu gelangen (Gottesnähe!), welche einen tiefen Frieden und eine heitere Gelassenheit zur Folge haben kann. Durch eine daraus folgende „In-Kauf-Nahme“ des heraufziehenden Abschieds von dieser Welt, ein persönliches „AMEN“ (Herr, Dein Wille geschehe!) kann möglicherweise der Widerstand gegen das Unabwendbare aufgegeben werden – das Leiden kann aufhören.
Ich weise darauf hin, daß die hier beschriebenen Umstände meiner eigenen, persönlichen Erfahrung entspringen und aus reinem und aufrichtigen Herzen geschrieben sind. Sie decken sich jedoch mit den Beschreibungen und Erläuterungen vieler lebender und verstorbener Geisteswissenschaftler. Selbstverständlich hat jeder Mensch die Freiheit und das Recht, zu denken und zu glauben, was er möchte. Dem Hilfe suchenden und seinen Angehörigen mag diese Seite Aufschluss über mich und meine Arbeit geben.

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Wer das Leben verstehen möchte, muss sich in ganz selbst-verständlicher und natürlicher Weise auch mit seiner Sterblichkeit auseinander setzen. Als Einstieg kann oft ein gutes Buch dienen, deshalb gebe ich hier gerne meine persönlichen Buch-Tipps:

 

Literaturempfehlungen:

Alles wird gefügt – Hilfe im Umgang mit Tod und Trauer, Bernard Jakoby, Taschenbuch 192 Seiten
Rowohlt ISBN 3499621797

Wir greifen in zunehmendem Maß künstlich in die Sterbeprozesse ein. Dadurch gefährden wir die Würde des Menschen und verkennen, daß dabei meistens nicht das Leben, sondern das Sterben verlängert wird. Bernard Jakoby erklärt in diesem Buch die Prinzipien für ein würdiges Sterben, er kritisiert die Praxis der Organspende und dokumentiert die Persönlichkeitsveränderungen von Organempfängern. Der Leser findet praktische Orientierung für die Sterbebegleitung und Trauerbewältigung. Neue Erkenntnisse über den plötzlichen Tod werden ebenso analysiert wie das Phänomen der Nachtodkontakte.